Storytelling in der Kommunikation zu Mitarbeitenden

Es ist einfach, Mitarbeitenden Anweisungen zu geben. Schwieriger ist es, so zu kommunizieren, dass die Anweisungen verstanden und umgesetzt werden. Wie können Führungskräfte Order geben, so dass Mitarbeitende sich daran erinnern und diese umsetzen?

In diesem Artikel finden Sie konkrete Anleitung, wie Sie Geschichten in der Kommunikation zu Mitarbeitenden einsetzen können.

Der Artikel wurde von Ancilla Schmidhauser erstellt und in der Zeitschrift für Schweizer KMU «Organisator» 2017 publiziert. Hier können Sie das PDF des Artikels downloaden: Mitarbeitende – die Kunst der Kommunikation.

 

Mitarbeitende – die Kunst der Kommunikation

Nutzen Sie Geschichten! Menschen erinnern sich an Geschichten und damit an die Intention, die dahinter steckt. Nehmen Sie den Weg des Erzählens und Betreuens, statt des Anordnens und Kontrollierens. Bieten Sie Ihren Mitarbeitenden eine Plattform, Erfahrungen in einer sicheren Umgebung auszutauschen und untereinander das Netzwerk zu pflegen und Beziehungen zu stärken.

Beispiel 1: Erhöhung der Abschlussquote in Beratungsgesprächen

Ein Verkaufsleiter wollte die Qualität der Beratungsgespräche und die Abschlussquote erhöhen. Der erste Versuch, dem Verkaufsteam die neuen Vorgaben in Präsentationen, Schulungen und Roadshows mitzuteilen fruchtete nicht. Eine Kontrollerhebung 2 Monate nach der Kommunikation brachte nüchterne Resultate zum Vorschein: 80% des Verkaufsteams gab an, die neuen Vorgaben nicht zu verstehen und diese entsprechend auch nicht umzusetzen. Es dominierte die Haltung, dass immer wieder Regelungen geändert würden, entsprechend gering war die Motivation. Der Verkaufsleiter beschloss, seine Vorgehensweise zu ändern. Er organisierte wöchentlich 2-stündige Meetings mit dem Verkaufsteam. Sein Ziel war es, den Mitarbeitenden eine Plattform zu bieten, wo sie sich darüber austauschen konnten, was die neuen Vorgaben waren. Er begann das Meeting jeweils, indem er eine persönliche Geschichte aus dem Berufsalltag erzählte, die eine der neuen Vorgaben zum Inhalt hatte. Aus dieser Geschichte konnten sich die Mitarbeitenden das nehmen, was sie für sich und ihre eigene Berufssituation brauchen konnten. Dann meldeten sich die Mitarbeitenden, um selbst eine Geschichte aus ihrem Berufsalltag zu erzählen und Feedback von ihren Kollegen und Kolleginnen zu erhalten.

Diese Art und Weise ermöglichte einen Rahmen, in dem sich die Mitarbeitenden regelmässig austauschen konnten. Sie lernten von den Erfahrungen der anderen und konnten die Anweisungen verstehen und nachvollziehen. Zudem ermöglichte es das Vertiefen der Beziehungen untereinander, was die Teamfähigkeit und -leistung erhöhte und die Qualität der Beratungsgespräche verbesserte und damit die Abschlussquote markant erhöhte.

Beispiel 2: Führungsgrundsätze leben

In einem Unternehmen sollten junge Führungskräfte in den für das Unternehmen wichtigen Führungsgrundsätzen geschult werden, um diese zu leben. Dazu gehörten z.B. Integrität, Transparenz in der Kommunikation. Zuerst wurden Mitarbeitende zu bestimmten Führungskräften befragt, indem sie diese nach den Führungsgrundsätzen beurteilen mussten. Erfragt wurde zum Beispiel, wann und wie die Führungskraft Integrität lebte. Aus den Befragungen ergaben sich Geschichten und Anekdoten, die den jungen Führungskräften erzählt und weitergegeben wurden. Auf diese Weise lernten sie von anderen Führungskräften aus deren Geschichten, wie sie die Unternehmensführungsgrundsätze umsetzen und leben konnten. Diese Geschichten wurden regelmässig an Führungskräfte-Zirkel in mündlicher Form erzählt und als Podcasts zur Verfügung gestellt. In den Führungskräfte-Zirkel erhielten die jungen Führungskräfte zudem die Gelegenheit, ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Zusätzlich wurde ihnen in einem Workshop beigebracht, wie sie selbst ihre Geschichten „bauen“ und erzählen konnten.

Mit diesem Vorgehen wurden mehrere Ziele erreicht: das Verstehen und Nachvollziehen der Führungsgrundsätze aus den Geschichten der Vorbilder, und gleichzeitig das Erlernen, wie Geschichten im Führungsalltag erzählt und eingesetzt werden können.

Vertrauen ist die Basis

Wer mit Menschen arbeitet, tut gut daran, deren Vertrauen zu gewinnen. Dies trifft nicht nur auf die Führungskraft zu, sondern auch auf Mitarbeitende, die Kunden beraten oder mit Partnern zusammenarbeiten. Wer lernt, Gedanken, Gefühle und Argumente mitzuteilen und zu teilen, ist in der Lage, Vertrauensverhältnisse entstehen zu lassen und zu erhalten. In Geschichten kommen Gedanken, Gefühle und Argumente automatisch vor. Insbesondere dann, wenn eine persönliche Geschichte geteilt wird. Wer eine Geschichte teilt, die etwas Persönliches offenbart, gewinnt Vertrauen, Engagement und Empathie.

Und das ist der Stoff für die Geschichten

Erzählen Sie Ihre Geschichten und teilen Sie Ihre Erfahrungen. Lassen Sie Ihre Mitarbeitenden wissen, wie Sie welche Herausforderun- gen gemeistert haben. Wählen Sie dazu die Geschichte im Zusammenhang mit dem Thema, das Sie angehen möchten. Wie haben Sie die Aufgabe der Prozessimplementierung angepackt? Wie haben Sie die Budgetvorgabe eingehalten? Erzählen Sie von den Schwierigkeiten.

Es ist ein Ansporn, sich anzustrengen, etwas zu versuchen oder anders zu machen, wenn man hört, dass auch andere Probleme haben. Teilen Sie mit, welche Widerstände Sie verspürt haben, welche Gefühle Sie hatten. Lassen Sie wissen, dass es in einem ersten Versuch nicht gelungen ist. Dass Sie möglicherweise mehrere Anläufe nehmen mussten. Zeigen Sie auf, wie Sie sich dabei fühlten. Und zum Schluss: Erzählen Sie, wie es gelungen ist und welche Reaktionen daraus entstanden sind, wie die Mitarbeitenden, Kunden, Vorgesetzten, dasTeam reagiert haben.

Aus Geschichten lernen

Die bereits erwähnte Möglichkeit für die Führungskraft, die eigenen Geschichten mitzuteilen und zu teilen, ist nicht nur eine Lern- und Austauschmöglichkeit für die Mitarbeitenden. Es ist auch eine Lernmöglichkeit für die Führungskraft und das Unternehmen. Denn durch das Hören der Geschichten der Mitarbeitenden erfährt die Führungsperson, wie Mitarbeitende Vorgaben, Regeln, usw. interpretieren. Ist das, was die Geschäftsführung und das Management kommunizieren verständlich und klar? Es ist also auch die Gelegenheit zu bewerten, wie die Führung ihre Arbeit in der Kommunikation gemacht hat. Dialog wird zudem nur möglich, wenn zugehört wird. Und: Den Mitarbeitenden zuhören heisst immer auch, den Kunden Aufmerksamkeit schenken. Die Erlebnisse der Mitarbeitenden sind eine wertvolle Quelle, um auch ohne Feedbackformulare zu wissen, was Kunden über das Unternehmen und die Produkte/Dienstleistung denken.

Geschichten mitteilen und diese teilen in einer regelmässigen und etablierten Form im Unternehmen ermöglicht einen Vielzahl von Nutzen: verstehen, verinnerlichen, umsetzen, lernen, entwickeln, nachprüfen, Vertrauens- und Beziehungsaufbau und –vertiefung. Wenden Sie Storytelling im Unternehmen nicht nur als gelegentliches Erzählen von Geschichten an, nutzen Sie das Potential, das sich bietet.

Der Artikel wurde von Ancilla Schmidhauser erstellt und in der Zeitschrift für Schweizer KMU «Organisator» 2017 publiziert. Hier können Sie das PDF des Artikels downloaden: Mitarbeitende – die Kunst der Kommunikation.