Die Karrierefrau, die Knacknuss & der Konsens

Kurz nach der Universitätszeit geht die karriereoffene Frau bei einem weltweit engagierten Telekommunikationskonzern im Bereich Controlling an Bord. Das Umfeld gefällt, die Unternehmenskultur magnetisiert, der interne offene und herzliche Umgang macht richtig Appetit auf vollen Einsatz. Und der ist auch gefordert, da das Unternehmen expandiert und von den Mitarbeitenden viel abverlangt.

Nach den unterschiedlichen bisherigen Erfahrungen im Berufsleben stellt sich erstmals das Gefühl ein, ein Business-«Zuhause» zu haben. Die eigenen Stärken sind anerkannt und der versierte Chef zeichnet sich durch Wertschätzung aus. Aber auch durch direkte Kommunikation und einen strukturiert-strengen Führungsstil.
Story des Monats August

Der Tag der Knacknuss

Die Aufgabe: Kommunikation an alle Mitarbeitenden. Der Inhalt: Eine neue Instruktion zur Datenerfassung, die zu persönlichem Mehraufwand führt aber zwingend notwendig ist. Tonalität: Motivierende Einladung, diese Aufgabe gemeinsam anzupacken.

Für die Jungcontrollerin und ihre leicht überfüllte Arbeitsagenda kommt dieser Zusatzjob ungelegen. Ihre spontane Einschätzung formt einen groben Gedanken: «So ein Scheiss». Nach einem Zwischenschnaufer: «Na dann. Machen wir das halt. So gut wie möglich».

Volle Kraft voraus, mit Schmackes in die Tasten hauen, die Instruktion erstellen. Sie bastelt die Mitarbeitendeninformation zusammen, schleift und revidiert den Text und sendet ihn schliesslich an ihren Vorgesetzten. Voller Stolz. Kaum kommt dieser von seiner Geschäftsreise zurück, winkt er sie an seinen Tisch: «Was hast Du mir da gemailt?». «Ja, diese Instruktion zur neuen Datenerfassung». «Das ist deine finale Version? Ok, ich melde mich wieder bei dir».

Unbrauchbar

Kurze Zeit später steht der Chef am Arbeitsplatz der Frau: «Können wir uns kurz im Sitzungszimmer unterhalten?». Ein leichter Gänsehaut-Schauer kräuselt über den Rücken der Verfasserin – Gespräche im Sitzungszimmer des Grossraumbüros sind meist von sehr persönlicher und kritischer Natur.

«Das ist alles Schrott. Dein Text lässt sich in dieser Form nicht versenden.» Mit ein paar Fragen zeigt der Chef schnell auf, welche Textbaustellen die Instruktion aufweist – wenig Empathie mit der Zielgruppe, eine Tonalität, welche nicht dem Firmenspirit entspricht, ein Gesamteindruck mit dem Prädikat «die eigenen Kommunikations-Qualifikationen nicht richtig eingebracht». Das Feedback jedoch lobt gleichzeitig auch die gelungenen Textteile und nachvollziehbar zeigt der Vorgesetzte die überzeugenden und zu überarbeitenden Positionen auf.

Das Ziel und der Effekt des Storylistenings ist simpel: Es soll Dialog auf Augenhöhe und echten Austausch ermöglichen. So lässt sich voneinander lernen, ganz ohne erhobenen Zeigefinger oder Schuldzuweisung.

Wichtig: Angeberische Stories sind hier fehl am Platz. Von ihnen profitiert niemand, nicht mal die erzählende Person selbst.

Sich winden und finden

 

Die Gesprächs-Synchronisation mit Erklärungen, Ausreden sowie Hinweisen auf Unternehmenswachstums-Stress und der chefseitigen Ablehnung all dieser Argumente in Verbindung mit Verständniskommentaren wie «Wir haben doch alle mal unsere fünf Minuten» dauert 45 Minuten.

Die Fachfrau verlässt leicht geknickt im Wechselbad von Frustration und Wertschätzung das Sitzungszimmer und setzt sich mit den letzten Feedbackfetzen im Kopf an ihren Computer – «du weisst genau, wo deine Stärken liegen… du bist doch eine offene und respektierte Mitarbeiterin mit guten Kommunikationsfähigkeiten… pack den Auftrag nochmals neu an, mach es besser».

Nach Aufhänger scannen – die Storyquelle

 

Mit der Erkenntnis, dass sie diesen Moment ohne Verhacken oder Wurf in die Güllengrube überlebt hat, sichtet sie den Text nochmals sorgfältig im Abgleich mit der Aufgabe.

Ihr fällt auf, dass sie die trockene Instruktion wohl zu schnell in eine Information an die Mitarbeitenden ohne einen leseinteressanten und überzeugenden Aufhänger gewandelt hat. Das Feedback fördert ihre Suche nach einer Quelle für eine Art Story, obwohl der Text eher sachlich und beschreibend ist.

Eine Analogie oder der Ansatz mit Metaphern oder Redewendungen überzeugt sie nicht. Das Pröbeln bringt plötzlich die zündende Idee – authentische Freundlichkeit in Kombination mit Wertschätzung der Mitarbeitenden. Die Reaktion bleibt nicht aus – das Echo der Empfängerinnen und Empfänger: «Gut gemacht… der Text hat mich motiviert, die Instruktion anzuschauen… ich habe die Notwendigkeit dieser Arbeitsanweisung begriffen».

Faktor Sorgfalt

 

Storytelling klappt selten auf Anhieb. Die Suche nach einer Quelle für eine Tonalität, einer Atmosphäre oder einer Analogie usw. braucht Zeit und ein Abwägen verschiedener Ideen. Und die Bereitschaft, allfällige Textbeulen beim nächsten Mal auszubügeln – ob sich alles um einen trockenen Sachtext oder den Launch eines lässigen Produktes dreht. Storytellerinnen und Storyteller spüren immer Details auf, die kleines oder grösseres Storypotential aufweisen.

Nach einer wahren Geschichte von Ancilla Schmidhauser, erlebt in einer verrückten Phase des Mobiltelefon-Booms.

 

Storytelling ist lernbar. Für kleine und grössere Firmenteams.

  • Halbtag-Training für einen ersten Überblick
  • Ganztag-Training mit einer Skizze für ein eigenes Projekt

Erfahren Sie hier mehr zur Welt des Storytelling

Bildquellen:
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