Haben Lügen kurze Beine? Die Wahrheit über Storytelling

Haben Lügen kurze Beine? Die Wahrheit über Storytelling

Lügen haben kurze Beine. Kennen Sie diesen Spruch?

Ich hab ihn als Kind oft gehört. Lügen lohne sich nicht. Was mich in meiner kindlichen und jugendlichen Not jedoch nicht immer davon abhielt, doch zu lügen. Wenn ich mich zurückerinnere: Es ging nicht immer anders. Beispielsweise kam ich zu spät zum Essen, weil ich auf dem Nachhauseweg getrödelt hatte. Oder ich hatte ein blaues Auge, weil ich mich mit den Jungs geprügelt hatte (weil die dämliche Sprüche über meinen rothaarigen Kollegen gemacht hatten). Oder ich kam zu spät nach Hause, weil mich der Lehrer nachsitzen liess (weil er mich nicht verstehen wollte und dachte, ich sei frech). Es ging nicht immer, die Wahrheit zu erzählen. Weil ich es nicht besser konnte, log ich. Es waren Notlügen, mit denen ich mich vor unangenehmen Diskussionen und anderen Konsequenzen schützte. Vermeintlich. Denn das Gefühl beim Lügen war nie positiv. Es fühlte sich sonderbar-merkwürdig-unangenehm an.

Inflationäres STORYTELLING

Wenn wir den inflationären Gebrauch von STORYTELLING anschauen, frage ich mich manchmal: Wohin ist die Wahrheit entschwunden? Dürfen Organisationen und Unternehmen zur Not lügen? Ist eine Story einfach eine Story, egal ob sie unwahr ist oder nicht? Ist eine Geschichte nur dann eine gute Geschichte, wenn sie cool und kreativ ist, aber nicht wirklich wahr?

Nun, aus Erfahrung kann ich sagen, dass eine gute Story dann gut ist, wenn sie:

  • relevant ist für die Zielgruppe
  • glaubwürdig ist
  • Emotionen auslöst
  • eine Handlung aktiviert

Sind diese Kriterien erfüllt, bleibt eine Geschichte in den Köpfen und Herzen der Menschen hängen. Wenn sie dies tut, ist die Wahrscheinlich gross, dass sie auch weitererzählt (geteilt, geliked) wird.

Wahr oder unwahr?

Meine Kundinnen und Kunden fragen mich manchmal, ob die Geschichten, die wir gemeinsam erarbeiten, wahr sein müssen. Meine Empfehlung lautet immer: Ich würde glauwürdige Stories erzählen. Das hat einen einfachen Grund: Die Zeiten, in denen sich Organisationen mit tollen Stories verankern, die nicht glaubwürdig sind, sind vorbei. Kundinnen, Kunden, Konsumentinnen und Konsumenten, Mitarbeitende, Partner, die Bevölkerung und viele andere möchten das Echte, das Authentische. Und authentisch ist, was sich überprüfen lässt und der Wahrheit entspricht.

Lügen ist schwierig geworden

In unserer Welt, in der wir vieles selbst überprüfen, kommentieren, weitergeben, be-, und verurteilen sowie mit Konsequenzen abstrafen können, lohnt es sich langfristig nicht, Lügengeschichten aufzutischen. Auch dann, wenn ein früheres Management entschieden hat, eine Kampagne zu fahren, die nicht der Wahrheit entspricht – die negativen Konsequenzen tragen das nachfolgende Management, die Mitarbeitenden und die Kundschaft.

Werte – die Stütze für gute Stories

Glaubwürdige Geschichten im STORYTELLING basieren auf der Wahrheit. Sie haben ihre Berechtigung, weil sie sich auf Werte stützen, die in der Organisation gelebt werden. Sie entspringen den Menschen, die es wissen müssen: Kundinnen und Kunden, Mitarbeitende, Partner, usw. Diese Menschen sind die Quellen für starke und glaubwürdige Geschichten. Die Voraussetzung ist, dass das Management bereit ist, diese Menschen anzuhören, sie erzählen zu lassen – und dann mit dem Gesagten etwas anzufangen. Es braucht also Mut und die bewusste Entscheidung, hinzuhören.

Alles ist schon da

Es ist also nicht so, dass ein kreativer Kopf sich hinsetzt, sich das Hirn zerbricht und dann die tollen Geschichten erfindet. Glaubwürdige und starke Geschichten sind schon da. Sie brauchen aber gehört, gehoben, geformt und entsprechend den Zielgruppen, den Zielen und Stragegien im passenden Format in die richtigen Kanäle gegossen zu werden. Das ist STORYTELLING. Kreativität ist hilfreich, um aus dem Rohmaterial des Gehörten und Verstandenen etwas zu machen. Nicht jedoch, um ewas zu erfinden, was nicht ist.

Und somit komme ich zurück zu den Lügen: Ja, Lügen haben kurze Beine. Als erwachsener und ein bisschen gereifter Mensch weiss ich es heute besser. Die Wahrheit zu sagen, muss nicht unbedingt schmerzen. Die Wahrheit kann berühren und Emotionen auslösen. Sie kann inspirieren, Lernen und Innovationen ermöglichen und bei der richtigen Zielgruppe das Gewollte auslösen. Heute lüge ich nicht mehr. Irgendwann wurde mir klar, dass meine Eltern und meine Schwester wussten, wenn ich log. Sie haben es mich nur nicht immer wissen lassen.

Herzlichst: Ihre Ancilla Schmidhauser

Foto: Thanks to Jon Tyson on Unsplash

Success Story Jan Schibli: «Wir reden nicht nur»

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Jan Schibli ist CEO und Mitinhaber der Schibli-Gruppe. Der diesjährige Gewinner des Prix SVC Wirtschaftsraum Zürich gewährte mir im Interview Einblick in das Erfolgsrezept.

Wir sprachen auch über die Herausforderungen, mit denen die Schibli-Gruppe konfrontiert ist, z.B. die Gewinnung von Nachwuchs und die Eigenverantwortung von Mitarbeitenden. Das Interview wurde in der Märzausgabe Organisator publiziert.

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Verfasst von Barbara Zanzinger und Ancilla Schmidhauser. Publiziert in «Leader», 11/2017, die Publikation von SKO.
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